PREDIGT · 2023 · Mt 21,1-16 / Lk 19,37-44
Der Einzug in Jerusalem mit den Augen der Pilger: das Drama des Weges, die Fanfaren der Jünger — und ein König, der nicht gekommen ist, um mit Rom abzurechnen, sondern mit der Sünde.
Bitte gib, dass wir die Größe dieser fernen Ereignisse begreifen können — dass sie uns nicht fern bleiben. Sie betreffen uns doch. Ihretwegen stehen wir doch heute hier. Berühre bitte unsere Herzen, damit sie nicht ohne Antwort bleiben. Amen.
Gebet
Und wie ist die Stimmung da vorne, in der Truppe „Jesus und Co.“? Markus bringt sie uns im zehnten Kapitel näher:
„Jesus ging vor ihnen her; sie waren bestürzt, und die ihm nachfolgten, fürchteten sich.“
Markus 10,32
„Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir, sanftmütig, und reitet auf einer Eselin, auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.“
Matthäus 21,4–5 (Sacharja 9,9)
Er setzt sich auf ein Fohlen, auf dem noch nie jemand gesessen hat — nicht auf ein Pferd wie ein Eroberer, sondern auf ein Fohlen, wie ein gnädiger König, so wie ihn der Prophet Sacharja darstellt.
Als sich der Zug dem Hang des Ölbergs näherte, begann das Feiern. Die Jünger wurden ganz von Freude ergriffen und fingen an, Gott laut für all die Wunder zu loben, die sie gesehen hatten — und das waren viele! Sie stimmten aus vollem Hals die Fanfaren an, die auch die anderen mitrissen:
„Gelobt sei der König, der da kommt im Namen des Herrn! Friede im Himmel und Ehre in der Höhe!“
Die Pharisäer wollen, dass Jesus sie zum Schweigen bringt. Er antwortet darauf: „Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“
Lukas 19,37–40
Und als vom Ölberg aus Jerusalem vor Jesus in Sicht kommt, weissagt er über die Zukunft der Stadt und weint über ihr Schicksal — darüber, dass sie die Zeit nicht erkannt hat, in der Gott sich zu ihr herabgebeugt hat. (Lk 19,41–44)
Oft fühlen wir uns furchtbar fromm und sehen alles von oben herab — wie naiv diese Juden damals doch waren… Aber schenken wir uns reinen Wein ein.
Jesus ging es um geistliche Unterdrückung, mehr als um politische — er kam, um das Problem der Sünde zu lösen, nicht Rom. Die Frage ist: Ärgert uns das nicht? Wie wäre es mit einem König auf dem Pferd, einem Eroberer, der uns irdische Ruhe, Wohlbefinden und Erfolg verschafft? Verwechseln wir manchmal die Könige? Zu welchem König beten wir?
Rabbi Hirsch sagte einmal zu seinen Chassidim: Wenn jemand zu mir kommt und mich bittet, für seine Bedürfnisse in dieser Welt zu beten — der eine wegen seines Feldes, der andere wegen seines Lädchens —, dann kommt in diesem Augenblick auch die Seele dieses Menschen zu mir und bittet um Erlösung in der höheren Welt. Ich aber muss beiden antworten — mit einer einzigen Antwort.
Die Erzählungen der Chassidim
Jesus ging es um den freien Zugang zu Gott — deshalb hat er die Händler aus dem Ort des Gebets vertrieben. Und wie sieht es in unserem Herzen aus? Ist darin genug Platz für konzentriertes Gebet? Oder ist es nur ein Ort des Handels und der Alltagssorgen?
Lasst mich diesen ganzen Abschnitt mit Worten aus dem 52. Kapitel des Jesaja abschließen. Ihr könnt darin all die großen Rettungen sehen: aus der ägyptischen Sklaverei, aus der assyrischen Gefangenschaft, aus der babylonischen Gefangenschaft — und aus der Gefangenschaft der Sünde. Die gute Nachricht, dass der Herr kommt als Retter, als König:
Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, der gute Botschaft bringt und Heil verkündigt, der zu Zion sagt: „Dein Gott ist König!“
Horch! Deine Wächter erheben die Stimme, gemeinsam jubeln sie, denn mit eigenen Augen sehen sie, wie der Herr nach Zion zurückkehrt. Jubelt laut miteinander, ihr Trümmer Jerusalems, denn der Herr hat sein Volk getröstet, er hat Jerusalem erlöst. Der Herr hat seinen heiligen Arm entblößt vor den Augen aller Völker, und alle Enden der Erde werden das Heil unseres Gottes sehen.
Jesaja 52,7–10
Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Amen.
Der aaronitische Segen
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