TALK · 2024

Apostolische Straßenevangelisation

Was die gute Nachricht vom Reich Gottes ist – eine Zeitleiste, eine Landkarte des Gebiets und die Massen, die sich ins Reich drängen.

Psalm 96,1–3 · Jes 52,7 · Mt 10,1–14 · Mt 11,12

Quellen

Bema podcast

  • danke, Vítek!
  • ein von Rabbinern ausgebildeter jüdischer Lehrer legt die christliche Botschaft der Schrift aus – mit besonderem Schwerpunkt auf ihren Wurzeln

Frank Laubach

  • 60 Millionen Menschen haben dank ihm lesen und schreiben gelernt – er war Missionar unter analphabetischen Muslimen in einem abgelegenen Teil der Philippinen und hat ein System entwickelt, mit dem sich solche Menschen gegenseitig Lesen und Schreiben beibringen können, damit sich die Alphabetisierung ausbreitet. Daher wohl die amerikanische Briefmarke.
  • er hatte eine schwere und gefährliche Arbeit und war bei alledem ein moderner Mystiker. Seine Texte sind winzig kurz und atemberaubend. „Letters by a Modern Mystic“ – seit ein paar Wochen kehre ich täglich zu diesen Briefen zurück. Auf Tschechisch ist aber nichts erschienen. Das ist beschämend.

Die Schrift

Und er rief seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Macht über die unreinen Geister, dass sie die austrieben und heilten alle Krankheiten und alle Gebrechen. … Diese Zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: „Geht nicht den Weg zu den Heiden und zieht in keine Stadt der Samariter, sondern geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel. Geht aber und predigt: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus; umsonst habt ihr’s empfangen, umsonst gebt es auch. Nehmt von niemandem Gold noch Silber noch Kupfermünzen in eure Gürtel; nehmt keine Tasche mit auf den Weg, auch nicht zwei Hemden, keine Schuhe und keinen Stab, denn ‚ein Arbeiter ist seines Lohnes wert‘. Wenn ihr in eine Stadt oder ein Dorf kommt, erkundigt euch, wer darin es wert ist; bei dem bleibt, bis ihr weiterzieht. Wenn ihr in ein Haus geht, so sagt: ‚Friede sei mit euch.‘ Und wenn sie es wert sind, so komme euer Friede über sie. Sind sie es aber nicht wert, so kehre euer Friede zu euch zurück. Und wenn euch jemand nicht aufnimmt und eure Worte nicht hören will, so geht hinaus aus diesem Haus oder dieser Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen.

Matthäus 10,1–14

Straßenevangelisation

  • Vor vierzehn Tagen waren wir mit Klub Up auf einer Jugendkonferenz, und ich bin in den Workshop „Wie man die Botschaft von Jesus weitergibt, ohne dass es komisch ist“ gegangen. Und auch wenn schon der Titel selbst komisch ist, hat mich der Workshop positiv überrascht – und so war ich am Ende von den 70 Teilnehmern des Theorieteils einer der vier, die sich getraut haben, auch beim praktischen Teil im Park mitzumachen, wo wir uns mit drei Jugendlichen aus dem Ort auf ein Gespräch eingelassen haben. Und das Gespräch war angenehm und tief und ziemlich unvergesslich.
  • Ich erwähne das zu Beginn, weil die Passage aus Matthäus auffallend an Straßenevangelisation erinnert – und zwar an eine umso „invasivere“, weil zur Aufgabe nicht nur gehört, sich mit jemandem zu unterhalten, sondern gleich beim Zuhörer einzuziehen und weder Wechselkleidung noch eine Zahnbürste mitzunehmen, denn die wird sicher vom Gastgeber selbst gestellt 🙂
  • Das sage ich mit einer gewissen Übertreibung – die damalige Gesellschaft im Nahen Osten beruhte auf Gastfreundschaft, und weder Propheten noch Lehrer noch ihre Schüler schlossen sich mit ihrer Botschaft in Gebäuden ein – die Weitergabe war eine viel öffentlichere Angelegenheit. Außerdem hatte wohl jeder Mann die persönliche Erfahrung im Gedächtnis, als Kind die Tora auswendig gelernt zu haben – und 99,9 % von ihnen hörten dann irgendwann von ihrem Lehrer: „Du bist nicht ausgewählt worden, dein Studium fortzusetzen.“ Die, die durchkamen, waren die absolute Elite – und so konnte es, auch wenn sie theoretisch nur Schüler waren, eine Ehre sein, sie zu beherbergen und sich anzuhören, was sie von ihrem Rabbi gelernt hatten. Diese Schüler waren umso interessanter, als sie die Macht bekommen hatten, Dämonen auszutreiben und jede Krankheit zu heilen.
  • Meine erste Frage lautet: Was war das für eine gute Nachricht, die Johannes der Täufer verkündigte, dann Jesus, dann die Jünger und jetzt wir? Die Schrift deutet an, dass ihre Aufgabe war zu verkündigen, dass das Reich Gottes zum Greifen nah ist. Und was bedeutet das?
  • Zuerst stelle ich euch die Gute Nachricht ein bisschen technisch auf einer Zeitleiste vor, dann auf einer Landkarte und dann in der Schrift.

Zeitleiste

  • Die Juden hatten zwei Hauptlehren über die Endzeit.
  • Die erste Vorstellung erwartet das Kommen des Messias und mit ihm eine sofortige, dramatische Veränderung. Manche meinen, dass Johannes der Täufer, der Christus durch Boten fragen lässt: „Na, bist du wirklich der Messias, auf den wir warten?“, vielleicht genau diese radikale Veränderung erwartet hat.
  • Die zweite Vorstellung ist die einer allmählichen Entwicklung. Jesus vergleicht das Reich Gottes mit einem Senfkorn, das winzig ist, aber nach und nach wächst. Ähnlich der Sauerteig, der allmählich den ganzen Teig durchsäuert.
  • Die gute Nachricht lautet hier: Es hat schon begonnen! Es ist schon da!
  • Das war also die Zeitleiste – schauen wir uns das Gebiet an.

Landkarte der guten Nachricht

Jedes Königreich hat seine Grenzen, und innerhalb dieser Grenzen liegt das Gebiet, in dem der König herrscht – wo die Dinge nach seinem Willen geschehen.

Wenn ein König neues Gebiet gewinnt, gehört es ihm auf dem Papier sofort, aber es dauert noch eine Weile, bis er das neue Gebiet bereist und dort auch seine Herrschaft und seinen Willen durchsetzt.

Vereinfacht kann man sagen, dass Gottes Herrschaft und Wille im Himmel voll und ganz gelten – aber im Vaterunser beten wir „dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden“ und erbitten, dass sich das Reich Gottes auch hierher auf die Erde ausdehnt.

Ganz am Anfang der Bibel wird von Zeiten erzählt, in denen Gottes Reich auch dort galt, wo der Mensch lebte – und das waren goldene Zeiten. Das Paradies auf Erden. So sollte es sein, und die ganze Geschichte ist Heilsgeschichte, in der Gott für den Menschen einen Rettungsplan vorbereitet.

Ich weiß nicht, ob irgendjemand mit der heutigen Welt zufrieden sein kann – jedenfalls ist die Nachricht, dass das Reich Gottes zum Greifen nah und in gewissem Maß schon hier auf der Erde ist, wirklich eine gute Nachricht. Auf Griechisch Evangelium. Diese gute Nachricht, dass das Reich Gottes nahe herbeigekommen ist, rief Johannes der Täufer aus, dann Jesus, dann die Jünger und dann wir.

Zusammen damit erklingt „tut Buße“ – kehrt um von eurer bisherigen Lebensweise! Es gibt einen neuen König. Werdet seine Jünger, die mit Liebe über die Werte des Reiches Gottes nachsinnen und sie lernen, damit sie hier auf der Erde gute Botschafter des Reiches Gottes sein können.

Ungefähr so eine Botschaft verkündigten die Jünger. Das Reich Gottes kommt näher.

Ein abstraktes Konzept?

Es könnte so scheinen, als wäre das Reich Gottes eine abstrakte Idee, gerade gut genug für Eiferer und Mystiker – aber das Gegenteil ist der Fall!

In Matthäus 11,12 blickt Jesus darauf zurück, wie es denn seinem Projekt geht, die Nachricht zu verbreiten, dass das Reich Gottes zum Greifen nah ist, und sagt einen merkwürdigen Satz:

Von den Tagen Johannes des Täufers bis heute leidet das Himmelreich Gewalt, und die Gewalt tun, reißen es an sich.

Matthäus 11,12

„Von den Tagen Johannes des Täufers bis heute“ – also in der Zeit von Jesu Wirken gibt es da irgendwelche Gewalttäter, die mit Gewalt nach dem Reich Gottes greifen. Wer sind diese Gewalttäter? Kann man denn mit Gewalt ins Reich Gottes kommen?

Dasselbe Wort „Gewalt“ taucht in der Geschichte von Tamar auf – in der Geschichte von der Geburt ihrer Zwillinge. Bei der Geburt streckte Serach als Erster sein Händchen heraus, und die Hebamme band sofort einen roten Faden um das Händchen, damit klar war, wer der Erstgeborene ist. Doch das Händchen zog sich zurück, und als Erster drängte sich der Knirps ohne Faden am Arm auf die Welt. Er bekam den Namen Perez, was „Durchbruch“ bedeutet, „der, der durchgebrochen ist“. Ja – Perez hat sich bis in die Stammlinie von König David und vor allem von König Jesus vorgedrängt. Hier haben wir das Wort, das die Hartnäckigkeit bezeichnet, mit der sich Perez auf die Welt drängte.

Oder ihr könnt euch das Gatter eines Schafpferchs vorstellen, das sich öffnet – und die Schafe springen begeistert übereinander und rempeln sich an, um auf die Weide hinauszuströmen. Das sind regelrechte Massen!

Und wer drängte sich da so mit Gewalt ins Reich Gottes?

Das Bild vom Tor

Als Antwort habe ich das Bild eines Tores im Kopf, vor dem diese eifrigen Pharisäer stehen, die ihr ganzes Leben der Schrift gewidmet haben. Sie stehen vor dem Tor zum Reich Gottes und schaffen es nicht hineinzugehen. Und so stehen sie daneben und regen sich über Jesus auf, dass das Tor zum Reich Gottes ganz bestimmt nicht so aussieht – und das erkennen sie, denn in diesen Dingen sind sie Experten: Ihr ganzes Leben lang bereiten sie sich darauf vor und haben eine genaue Vorstellung vom Tor zum Reich Gottes.

Und während sie so dastehen und den Weg versperren, rennt plötzlich der unterste Bodensatz der damaligen Gesellschaft an ihnen vorbei – Leute, die nicht nur die Schrift längst nicht so gut kennen wie sie, sondern oft nicht einmal Zutritt zum Tempel haben: Menschen, die wegen einer Krankheit unrein sind, von allen verachtete Zöllner, die sich verkauft haben, Prostituierte. All diese Ausgestoßenen rammen im Laufen mit der Schulter die Tore zum Reich Gottes auf und strömen hinein. Es sind ganze Scharen!

Die Evangelien sind voll von solchen Geschichten!

Erinnert euch:

  • ein Gelähmter bricht ein Loch ins Dach, um zu Jesus zu gelangen
  • eine Prostituierte drängt sich ins Haus eines angesehenen Pharisäers, um eine ehrwürdige Debatte zu unterbrechen und Jesus unter Tränen die Füße mit kostbarem Salböl zu waschen
  • eine Frau, die jahrelang an Blutungen litt, deshalb nicht in den Tempel durfte und sich nach dem Gesetz von den Leuten fernhalten musste, drängt sich allen Gesetzen zum Trotz durch die Menge, berührt Jesu Gewand und wird geheilt
  • das Tor zum Reich Gottes stößt sogar ein Wilder auf, der in Höhlen und Gräbern hauste und den die Dämonen völlig um den Verstand gebracht hatten
  • hätten sich die Zöllner nicht so sündig fühlen müssen, dass sie sich Christus gar nicht erst nähern? Im Gegenteil – sie werden von ihm angezogen wie von einem Fliegenfänger!

Das Himmelreich leidet Gewalt, und die Gewalttätigen reißen es an sich!

Ich weiß nichts…

Meine nächste Frage lautet: Wie viel Wissen und Kenntnisse braucht ihr, um euch ins Reich Gottes durchzudrängen?

Die Antwort lautet: ein Herz voller Buße und Sehnsucht nach Christus – und im Kopf oft völlige Leere.

Wenn ein Reporter zu dieser Prostituierten ginge und ein Interview über Glaubenslehre mit ihr machte – auf wie viele Fragen wüsste sie eine Antwort? Könnte sie Fragen beantworten wie: Was ist Erlösung, Sünde, Umkehr, Wiedergeburt, Heiligkeit, Taufe? Die Realität ist: Um gläubig zu sein, reicht es zu wissen, dass Christus genau das ist, worum es geht – und ihm nachzugehen und ihn zu suchen. Dabei muss man in theologischen Fragen und Begriffen noch gar nicht klarsehen, ja nicht einmal die gute Nachricht selbst muss einem schon klar sein. Die Glaubenslehre erfährt man nach und nach – dafür hat man Zeit.

All die Genannten sind ins Reich Gottes hineingeplatzt und wussten in dem Moment über die Vergebung und Liebe Christi vermutlich mehr als so mancher Pharisäer. Sie hatten seine Vergebung und Rettung am eigenen Leib erfahren. Wenn ihr einverstanden seid, würde ich ihnen mit eurer Erlaubnis das Etikett „Christen“ verpassen. Wenn dieses Etikett nicht ihnen gehört – wem dann?

Einerseits ist es wunderschön, wie zugänglich das Reich Gottes sein kann. Andererseits kann es ohne Weiteres passieren, dass wir ein Haus voller Christen haben, aber kaum jemand eine Ahnung hat, was das Evangelium ist – was eigentlich die gute Nachricht ist. Dabei sollten wir doch jedem Rede und Antwort stehen können, der fragt.

Es macht einen Unterschied

Kommt es auf den Inhalt an? Darauf, wie wir die gute Nachricht formulieren?

Dallas Willard hat erklärt, das grundlegende Problem im Zustand der Kirche sei genau das: wie wir uns selbst und anderen die gute Nachricht formulieren. Dass das Evangelium, so wie wir es oft erzählen, unfruchtbare, passive Christen hervorbringt, die den katastrophalsten Charakter haben können und trotzdem meinen, sie seien – im Gegensatz zu den Ungläubigen – auf der sicheren Seite.

Ich versuche mal, euch zwei Karikaturen der guten Nachricht zu formulieren, wie Dallas Willard sie skizziert hat. Zwei Halbwahrheiten, die – wenn sie sich als die ganze Wahrheit ausgeben – zur Unwahrheit werden. So formuliert es zumindest N. T. Wright.

Das soziale Evangelium

  • streicht faktisch alles Übernatürliche
  • es ist ziemlich egal, welcher Religion ihr anhängt
  • es geht vor allem um die Unterdrückten und die Armen
  • es sieht Jesus als eine von vielen inspirierenden moralischen Persönlichkeiten
  • Tim Keller hat in New York eine Gemeinde gegründet, weil die meisten dort von diesem Typ waren

Aber das ist verzweifelt wenig. Alles Übernatürliche zu streichen lässt sich kaum durchhalten, wenn man Jünger von jemandem ist, der von sich behauptet, Gottes Sohn zu sein, und das mit einem Wunder nach dem anderen belegt. Die Jünger haben ganz sicher kein soziales Evangelium verkündigt.

Das konservative Evangelium

Und was ist mit dem konservativen Evangelium? Stellt euch vor, die Jünger ziehen los in die Städte, und ihre Botschaft lautet: „Unser Gott ist ein zorniger Gott, aber wir haben eine Lösung für euch! Jesus wird für euch sterben, und deshalb kommt ihr nicht in die Hölle! Die gute Nachricht ist: Wir bieten euch an, mit der Sünde ins Reine zu kommen.“

Die Reaktion der Leute wäre wahrscheinlich gewesen:

  • erstens: Unser Gott ist vor allem liebevoll und gnädig. Zorn ist eine natürliche Reaktion darauf, wenn jemand Gottes wunderbare Schöpfung zerstört und andere quält. Aber das macht aus Gott keinen zornigen Despoten.
  • unsere Sünde ist nicht ungelöst – wir haben den Tempel, Gottes Gesetz über die Opfer und Gottes Gnade
  • der Messias wird ganz sicher nicht sterben
  • und was soll überhaupt die Hölle sein – das ganze Alte Testament kennt so etwas nicht

Wir sind uns einig, dass die gute Nachricht, die die Jünger brachten, nicht so geklungen hat. Es ist nur ein Teil der Wahrheit:

  • es zeichnet Gott als zornigen Despoten, nicht als liebenden Schöpfer, der seine Schöpfung rettet
  • dieser Version reicht eigentlich der Tod am Kreuz – also die Bezahlung für die Sünden – aber was ist mit der Auferstehung und der Himmelfahrt, auf den Thron?
  • es führt den Menschen nicht in die Jüngerschaft. Es geht nur darum, eine Eintrittskarte für den Himmel zu haben, und das Leben hier und der Charakter spielen keine Rolle. Jesus hat nicht dazu aufgerufen, Eintrittskarten für den Himmel zu verteilen. Er hat zur Jüngerschaft aufgerufen – er wollte Repräsentanten seines Reiches, die die Liebe und Gerechtigkeit des Reiches Gottes in ihr Umfeld tragen.

Diese Botschaft hätte für die Leute ganz sicher nicht wie ein Schluck frisches Wasser geklungen. Die gute Nachricht handelt nicht von Angst. Ja, die Sünde zerstört alles und jeden, und wir brauchen dagegen Gottes Hilfe, aber die Gute Nachricht dreht sich nicht nur um die Sünde. Das ist zu wenig.

Schluss

Zusammenfassung auf den Folien:

  • das ist die gute Nachricht
  • das erwarten wir und darauf freuen wir uns
  • das ist unser Platz und unsere Aufgabe

Ein paar Schlussfolgerungen

  • Die meisten haben die gute Nachricht noch nie gehört – das ist die Realität. Und so mancher wäre euch für so eine Nachricht viel dankbarer als für „Small Talk“, also Geplauder übers Wetter und so weiter.

Für viele ist die gute Nachricht Torheit. Bei manchen, die sie hören, passiert aber etwas! Die Botschaft, die königliche Bekanntmachung, tut ihnen gut wie ein heißes Getränk an einem kalten Tag… Sie erfrischt sie. Sie gibt ihnen Energie. Manchmal heilt sie sie sogar von körperlichen Leiden. Auf einmal spüren sie, wie irgendwo in ihnen ein Gefühl des Staunens wächst und das Bewusstsein, dass jemand sie liebt. Es ist ähnlich, wie wenn jemand, der von Geburt an völlig taub war, nach einer erfolgreichen Operation plötzlich den Anfang einer Mozart-Sinfonie hört. Auf einmal öffnet sich ihm eine ganz neue Welt, die er sich vorher nie hätte vorstellen können.

N. T. Wright: Simply Good News – S. 28–37

  • Es ist wichtig, die gute Nachricht in Worte fassen zu können und sich nicht mit dem sozialen oder dem konservativen Evangelium zufriedenzugeben.
  • Die beste Mission ist das eigene Leben als Jünger.
  • Und vor allem: Wenn wir selbst die gute Nachricht vom Reich Gottes nicht kennen und sie uns wie etwas Fremdes und Fernes vorkommt, wie irgendein abstraktes Konzept und nicht wie ein erfrischender Schluck Wasser an einem schwülheißen Tag, dann gibt es einen einfachen Rat: Suche das Reich Gottes.
  • Denken wir dabei an die, die sich ins Reich Gottes hineingedrängt haben! In Buße und auf den Knien.

Schlusspunkt: Frank Laubach

Den Schlusspunkt überlasse ich Frank Laubach – ich glaube, er trifft die Realität des Lebens im Reich Gottes am besten. Er war ein Missionar, der sich sehr wohl bewusst war, dass die örtlichen Imame unter den Muslimen auf den Philippinen keinen Grund hatten, ihn mit den Leuten reden zu lassen. Aber er beschloss, Gott so nahe zu kommen und sich so fest im Reich Gottes niederzulassen, dass sein Glaube für die anderen unwiderstehlich sein würde. Und tatsächlich – am Ende schickten die Imame selbst Einheimische zu ihm, wenn die mehr über Gott erfahren wollten.

Sein wichtigstes Werkzeug, um dem Reich Gottes näherzukommen, war das Spiel mit den Minuten. Er übte, jede einzelne Minute seine Aufmerksamkeit auf Gott zu richten. Es klingt unglaublich, aber er hat tatsächlich sogar eine Broschüre darüber geschrieben, wie man das lernen kann. Es ist ein bisschen anspruchsvoll – aber wenn man sich angewöhnen würde, wenigstens bei jedem Wechsel der Tätigkeit oder wann immer es nur möglich ist, für zwei Sekunden den inneren Blick auf Gott zu richten… Oft leiern wir nämlich unsere Gebete nur herunter und richten während des ganzen Gebets unsere Aufmerksamkeit gar nicht auf Gott. Das hier ist genau das Gegenteil. In seinen Briefen enthüllt Frank Laubach die Ergebnisse seines Experiments:

„Mit jedem Tag wächst in mir das Gefühl, als hielte und führte mich eine unsichtbare Hand, während eine andere unsichtbare Hand nach vorn ausgestreckt ist und den Weg bereitet. … Ich erfülle meine Aufgabe in einem Plan, der weit über mich hinausgeht. Dieses Gefühl, mit Gott in den kleinen Dingen zusammenzuarbeiten, erstaunt mich so sehr, weil ich es vorher nie so empfunden habe. Ich brauche etwas, drehe mich um und stelle fest, dass es schon fertig auf mich wartet.

Natürlich muss ich arbeiten, aber Gott arbeitet mit mir zusammen. Dieses Bewusstsein gibt mir ein Gefühl von Sicherheit und Gewissheit für die Zukunft, was für mich ebenfalls neu ist.

Es scheint, dass ich mich jetzt nur um eine einzige Sache kümmern muss, und alles andere ‚sorgt für sich selbst‘ – oder besser gesagt, und das ist wahrer: Gott sorgt für alles andere. Meine Aufgabe ist es, diese Stunde im ständigen inneren Gespräch mit Gott und in vollkommener Bereitschaft für seinen Willen zu leben. Diese Stunde mit Gottes Herrlichkeit zu füllen. Das ist, so scheint es, das Einzige, worüber ich nachdenken muss.“

Frank C. Laubach: Letters by a Modern Mystic

Amen.

Apostolische Straßenevangelisation · 2024 · basiert auf den Auslegungen des Bema-Podcasts