TALK · 2024 · BERGPREDIGT
Der Anfang der Bergpredigt: die Seligpreisungen, Salz und Licht — und Bonhoeffers teure Gnade.
„Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.“
Matthäus 5,3
Ein gutes Leben haben die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.
Matthäus 5,5 (Paraphrase)
11 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und allerlei Böses gegen euch reden und dabei lügen. 12 Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden. Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.
Matthäus 5,11–12
13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. 14 Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. 15 Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. 16 So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
Matthäus 5,13–16
Gnade ist umsonst, aber es ist teure Gnade. Sie kostet einen das Leben.
Die Reinigung von den Sünden ist wirklich umsonst und man kann sie sich nicht verdienen — aber es ist keine billige Vergebung. Man bezahlt dann jeden Tag dafür, den Rest seines Lebens. Nicht, dass es darum ginge, Christus eine Schuld zurückzuzahlen — das will Christus auf keinen Fall, und es ist auch gar nicht möglich. Es geht darum, dass es die Prioritäten eines Menschen auf den Kopf stellt, wenn er Christus kennengelernt hat.
Es geht darum, dass ein Mensch von dem Moment an, in dem er zum Glauben kam, nicht mehr sich selbst gehört — für ihn wurde ein Lösegeld bezahlt, und deshalb soll er Gott verherrlichen. Es geht darum, dass er erst mit der Rettung den Schatz gesehen hat und der ihm so kostbar war, dass er hinging und alles verkaufte, um ihn zu bekommen. Es geht darum, dass er, bevor er sich für die Nachfolge entschied, die Kosten überschlagen sollte — denn wenn ihm irgendetwas teurer wäre, ist er Christi nicht wert.
Gnade ist umsonst, aber sie ist nicht billig — sie kostet einen das Leben.
nach D. Bonhoeffer
„… (Luther) ergriff im Glauben die Gnade, die frei und ohne Bedingungen alle Sünden vergibt. Dabei wusste Luther, dass er für diese Gnade mit seinem Leben bezahlt hatte und täglich weiter bezahlte. Denn die Gnade hatte ihn nicht von der Nachfolge befreit, sondern ihn im Gegenteil in sie hineingerissen.“
Ja — so hat Christus gepredigt! Ja — erst mit diesem Blick ergeben all die Appelle der Briefe einen Sinn.
D. Bonhoeffer: Nachfolge
Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. Unser Kampf heute gilt der teuren Gnade.
Billige Gnade bedeutet Gnade als Ware unter Preis, verschleuderte Vergebung, verschleuderten Trost. Sie bedeutet Gnade als unerschöpflichen Vorrat der Kirche, aus dem wir gedankenlos und ohne jedes Maß mit leichtfertiger Hand um uns werfen. Es ist Gnade, die keinen Preis hat, die nichts kostet. …
Billige Gnade heißt: Die Sünde wird gerechtfertigt, nicht der Sünder. … Billige Gnade ist Gnade ohne Nachfolge, ohne Kreuz, ohne den lebendigen Jesus Christus, für den ein Jünger seine Netze liegen lässt, um ihm nachzufolgen.
Teure Gnade ist das Evangelium, das wir immer wieder neu suchen müssen, die Gabe, um die wir bitten müssen, die Tür, an die wir klopfen müssen. Sie ist teuer, weil sie in die Nachfolge ruft — sie ist Gnade, weil sie in die Nachfolge Jesu Christi ruft. Sie ist teuer, weil ein Mensch mit seinem Leben für sie bezahlt — sie ist Gnade, weil er erst durch sie das Leben gewinnt.
Teuer ist diese Gnade vor allem deshalb, weil sie Gott teuer zu stehen kam, weil sie ihn das Leben seines Sohnes gekostet hat — und weil für uns nicht billig sein darf, was Gott so teuer war. Gnade ist sie vor allem deshalb, weil Gott sein eigener Sohn kein zu hoher Preis für unser Leben war — ja, er hat ihn für uns hingegeben. Teure Gnade, das ist Gott, der Mensch wird.
Teuer ist die Gnade, weil sie uns dazu bringt, das Joch der Nachfolge Jesu Christi auf uns zu nehmen. Gnade ist sie, wenn Jesus sagt: „Mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“
D. Bonhoeffer: Nachfolge — Billige vs. teure Gnade
Amen.
Die zweite Hälfte der Bergpredigt beim nächsten Mal — Text: 1. Petrus 1,13–21, Thema: „Seid heilig, denn ich bin heilig!“
Teure Gnade · Bergpredigt · Mt 5,1–16 · 2024
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