TALK · 2025 · PHARISÄER II

Jesus rüttelt (die Pharisäer) uns auf

Sechs Themenkreise aus den Gesprächen zwischen Jesus und den Pharisäern – ihre Splitter und unsere Balken.

1 Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Mitglied des jüdischen Rates. 2 Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: „Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.“ 3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ 4 Nikodemus spricht zu ihm: „Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?“ 5 Jesus antwortete: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. … 14 Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, 15 auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. 16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“

Johannes 3,1–21 (Auswahl)

Nikodemus

Das Treffen

  • Wir haben gerade von einem geheimen Treffen gelesen… von zwei Professoren.
  • Im Schutz der Dunkelheit kommt der hochangesehene Pharisäer und Eliteprofessor Nikodemus zu Jesus, dem Lehrer vom Land, der kurz vor dem Treffen in den Tempel in Jerusalem marschiert war, sich überraschenderweise so verhalten hatte, als gehöre der Tempel ihm, und die Händler hinausgejagt hatte.
  • Die Pharisäer sind aber nicht empört, sondern reagieren mit Respekt. Nikodemus spricht für seine Kollegen: „Rabbi (Herr Professor), wir wissen (ich und meine Kollegen), dass du ein Lehrer bist (wie wir), der von Gott gekommen ist.“ Das ist eine sehr starke Aussage. Und warum sind sie sich so sicher? „Denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.“
  • Die Autorität des Nikodemus hat Jesus in keiner Weise erschüttert – im Gegenteil, Nikodemus wird auf einmal zum Schüler, den Jesus unterrichtet.
  • Und er sagt ihm: Wer die Realität des Reiches Gottes erfahren will, dem reicht ihre Frömmigkeit nicht. Es muss etwas Übernatürliches geschehen – er muss neu geboren werden. Nicht nur so geboren werden, wie Menschen geboren werden, als Kinder irdischer Väter, sondern aus Gott geboren werden.
  • Jesus lädt bei Nikodemus eine solche Ladung an Fragen und Material voller Verweise auf die Propheten ab, dass ihm davon noch ein paar Tage der Kopf gebrummt haben muss. Man muss bei null anfangen – neu geboren werden. Jesus ging mit Nikodemus direkt zum Kern, er enthüllte ihm sogar eine Andeutung von Kreuzigung und Auferstehung…
  • Ich vermute, Jesus hätte so ein Gespräch gern auch mit den anderen geführt – aber viele Pharisäer, denen er begegnet, sind noch längst nicht so weit. Viele muss man erst einmal wachrütteln – die stärksten Worte gebrauchen, um sie aufzuwecken.
  • Und genau dieses Aufrütteln schauen wir uns heute an.

Wiederholung: Die Lehrer

  • Beim letzten Mal habe ich versucht, die Pharisäer als eifrige Lehrer zu zeichnen, die den Löwenanteil daran hatten, dass die Generationen um Jesus herum die Schrift kannten und den Messias erwarteten. Damit bereiteten die Pharisäer Jesus den Boden.
  • Sie wollten selbst dem armen Waisenkind die Schrift beibringen, damit das Volk Gott nicht mehr durch seinen Ungehorsam reizt. Sie hielten Ausschau nach dem Retter, dem Messias, und versuchten durch ihren Gehorsam sogar, sein Kommen zu beschleunigen. Sie sahen das ganze Volk als heiliges Volk, das Gott gehört, als ein Reich voller Priester – eine Berufung, die dank Christus auch uns gilt.

Herangehensweise

  • So viel Lob für eine normalerweise so negativ wahrgenommene Gruppe von Leuten hat wohl kaum jemand erwartet 🙂
  • Heute kommen wir jedenfalls auch zur negativeren Seite – aber nicht, um uns an ihnen zu weiden. Wir werden beobachten, wie Jesus die Splitter in ihrem Auge benennt, damit wir dabei die Balken im eigenen Auge entdecken können.
  • Das ist die Vorgehensweise, die Jesus empfiehlt. Die allgemeine Regel ist denkbar kurz: „Richtet nicht!“ So beginnt Jesus seine Rede zu diesem Thema. „Richtet nicht, damit ihr nicht mit demselben strengen Gericht selbst gerichtet werdet.“
  • Normalerweise konzentriert sich eine Predigt immer auf ein einzelnes Gespräch zwischen Jesus und den Pharisäern – mich hat es deshalb gereizt, mir einen Überblick über all diese Gespräche zu verschaffen und die Themen zusammenzustellen, die behandelt werden und sich wiederholen.
  • Ich habe 6 Themenkreise für euch. Es sind nicht 7, weil meine Redezeit für den Versuch, vollständig zu sein, bei Weitem nicht reicht 🙂

1/ Den Zaun einreißen

  • Rabbi Elieser streitet sich mit den Rabbinern über eines der Gesetze, und obwohl zur Unterstützung seiner Auslegung mehrere Wunder geschehen, widersprechen ihm die anderen Rabbiner weiterhin. Schließlich sagt Rabbi Elieser: „Wenn das Gesetz mit mir übereinstimmt, soll es vom Himmel her bewiesen werden.“ Da erklang eine Stimme vom Himmel und sprach: „Was streitet ihr mit Rabbi Elieser, wo doch das Gesetz in allen Dingen mit ihm übereinstimmt?“
  • Rabbi Jeremia widerspricht aber der Stimme vom Himmel mit den Worten: „Ja, es war Gott, der sein Gesetz offenbart hat, aber mit der Auslegung des Gesetzes wurden Menschen beauftragt. Deshalb kann nicht einmal Gottes eigenes Urteil die Übereinkunft der Rabbiner überwiegen.“ Als Gott das hörte, fing er an zu lachen: „Meine Söhne haben Mich besiegt, Meine Söhne haben Mich besiegt!“
  • Das ist eine schöne, heitere Geschichte aus dem Talmud – nur dass Jesus ihr ein bisschen in die Quere kommt. Er hat ganz sicher nicht die Haltung: „Wichtig ist, wie ihr als Gruppe von Rabbinern die Gesetze auslegt, und wer bin ich, dass ich euch da reinrede“.
  • Normalerweise läuft das mit den Gesetzen so: Der normale Israelit weiß, dass zum Beispiel der Sabbat ein Ruhetag ist – aber was heißt das konkret im Alltag? Für die Auslegung sind die Rabbiner da – die diskutieren und kommen zu einem bestimmten Schluss. Um aber sicherzugehen, dass das Volk Gottes Gebot nicht übertritt, verschärfen sie die Vorschrift lieber um eine Winzigkeit. So errichten sie einen Zaun aus eigenen Geboten rund um das eigentliche Gesetz.
  • Jesus reißt ihnen diesen sorgfältig errichteten Zaun um das Gesetz ein. Er hält dagegen, dass die Meinungen der Rabbiner nicht auf derselben Ebene stehen wie Gottes Gesetze.
  • Heilen am Sabbat: Die rabbinische Überlieferung der Väter sagt, dass am Sabbat nur geheilt werden darf, wenn es um die Rettung eines Lebens geht – das trifft auf einen Mann mit einer gelähmten Hand aber offensichtlich nicht zu. Deshalb schweigen die Pharisäer, als Jesus mit diesem Patienten vor ihnen steht und sie fragt, ob man am Sabbat heilen darf. Es ist traurig, dass sie schweigen – und noch trauriger, dass nicht einmal das Wunder selbst die Pharisäer erweicht.
  • Händewaschen: Jesu Jünger waschen sich vor dem Essen nicht rituell die Hände – das Gesetz verlangt das nur von den Priestern vor den Riten im Tempel, nicht von normalen Leuten. Die Pharisäer begründen es in der Mischna aber so: Wenn es keinen Tempel gibt, könnten mit der Zeit selbst die Priester das rituelle Händewaschen vernachlässigen – also lasst uns diese Handlung lieber als ganzes Volk übernehmen, um den Priestern zu helfen, sie beizubehalten.
  • Korban: Ein eifriger Pharisäer kann sagen: Ich erkläre dieses Haus zum Korban – es ist also für Gott und den Dienst für ihn abgesondert. Das sieht wunderbar fromm aus – nur dass dieses Haus die Eltern im Alter absichern sollte. Dabei ist „ehre Vater und Mutter“ ein Gebot im Gesetz, während Korban nur mündliche Überlieferung ist.
  • Als Teenager habe ich mir mit Gott einen eigenen Bund aufgeschrieben. Genau so einen Zaun habe ich mir in Bezug auf Mädchen gesetzt – ich war ja Jugendleiter, und zu uns kamen auch ziemlich viele nichtgläubige, sehr sympathische Mädchen, und so habe ich vor Gott geklärt, wo welche Grenzen liegen. Ein Problem wäre es aber gewesen, wenn ich angefangen hätte, das den anderen Jugendlichen als Gesetz aufzuzwingen.
  • Der Punkt für uns: Seien wir vorsichtig, wenn wir anderen unsere eigenen Zäune als Gesetz aufdrängen: Jeder richtige Christ muss sich so anziehen, das hier lesen, das da nicht anschauen… Unsere Gesetze haben nämlich oft Fehler. Jesus war nicht gerade ein Freund von Schutzzäunen, die allen aufgezwungen werden.

2/ Vom frommen Narren

  • Wisst ihr, dass die Pharisäer ein Buch geschrieben haben, in dem sie sich selbst kritisieren? Das finde ich super 🙂 Der Talmud beruht nämlich im Kern auf der pharisäischen Tradition, und überraschenderweise finden wir darin immer wieder Kritik an mehreren Typen von Pharisäern. Einer davon ist genau der „Chassid Schoteh“ – der fromme Narr.
  • Laut Talmud sieht der Chassid Schoteh eine ertrinkende Frau, aber weil er ahnt, dass sie spärlich bekleidet ist und nicht seine Frau, darf er sie nicht berühren und muss seine Augen schützen. Also wendet er lieber den Blick ab und lässt sie ertrinken.
  • Erinnert euch das an eines der Gleichnisse Jesu? Jesus erzählt das Gleichnis vom barmherzigen Samariter einem Schriftgelehrten – wahrscheinlich einem Pharisäer. In der Geschichte haben wir dann einen Priester und einen Leviten, die einen zusammengeschlagenen Menschen sehen, aber, um rituelle Verunreinigung zu vermeiden, einfach an ihm vorbeigehen.
  • Das ist das Extrem, bei dem jemand für seine Frömmigkeit bereit ist, andere zu opfern – oder auch nur den gesunden Menschenverstand.
  • Zum Beispiel: Jesus geht mit den Jüngern durch ein Getreidefeld, die Jünger pflücken eine Ähre, zerreiben sie in der Hand, um die Körner herauszulösen, und essen sie – und die Pharisäer: Aha, sie beschaffen sich Nahrung, und das ist am Sabbat verboten! Ich parodiere sie ein bisschen, aber nur ein frommer Narr kann glauben, dass das Arbeit ist.
  • Dazu gehören aber auch die, die so fromm sind, dass sie völlig unerträglich werden – finster, unausstehlich, verbissen. In ihnen steckt nicht ein Fünkchen Liebe zu anderen. Sie kennen die Schrift in der Tiefe, um dann anderen mit der Schrift eins über den Kopf zu ziehen.
  • Jesus war nicht so – die Verachtetsten der Gesellschaft liefen zu ihm. Erinnert ihr euch an sein Festmahl mit den Zöllnern? Er liebte sie. Er hat niemandem mit moralisierenden Reden eins über den Kopf gezogen. Der beim Ehebruch ertappten Frau hielt er keinen Vortrag – er sagte: Auch ich verurteile dich nicht – geh hin und sündige nicht mehr.
  • Jetzt denkt jeder für sich nach: Fühlen sich andere in eurer Nähe wohl?

3/ Schammai und Hillel

  • Die beiden großen Pharisäer und Rabbiner Schammai und Hillel starben, als Jesus noch ein Kind war. Sie hinterließen aber zwei große pharisäische Schulen, die sich deutlich voneinander unterschieden – und die Pharisäer wollten wissen, auf welche Seite Jesus sich schlägt.
  • Schammai stammte aus einer reichen Familie und hatte alle Zeit und Mittel, um die Schrift zu studieren und selbst die strengsten Maßstäbe des Gesetzes zu erfüllen – gegenüber anderen war er unnachgiebig, und den einfachen Menschen verachtete er.
  • Hillel war ein Mann aus dem Volk – er hatte die Nöte der Armen erlebt und konnte mit ihnen mitfühlen. Bei der Auslegung der Schrift und der Gesetze neigte er zu einem barmherzigeren Ansatz und nahm auch die auf, die eher am Rand der Gesellschaft standen.
  • Wir haben also einen klaren Favoriten, oder? Jesus war eindeutig ein Anhänger Hillels. Wir können Schammai mit gutem Gewissen als den bösen Pharisäer verurteilen. Nur ist es eben wieder nicht so einfach – zum Beispiel in der Frage der Scheidung stellte sich Jesus auf die Seite Schammais.
  • Scheidung: Erinnert ihr euch, als die Pharisäer kamen, um Jesus die brennende Frage des Tages zu stellen – wann darf man sich von seiner Frau scheiden lassen? Die Frage ist so gestellt, dass er sich zwischen dem Ansatz der Hillel-Schule und dem der Schammai-Schule entscheiden soll. Die weniger strengen Anhänger Hillels sagen, dass so gut wie alles ein legitimer Scheidungsgrund sein kann: kaltes Essen auf dem Tisch, ein mürrisches Gesicht.
  • In seiner Antwort erinnert Jesus zuerst an das Ideal des untrennbaren Paares und fügt hinzu, dass Mose den Scheidebrief erlaubt hat – aber das war ein Zugeständnis wegen der Herzenshärte der Menschen. Vor allem aber weiß Jesus, dass eine Scheidung für eine Frau damals eine Katastrophe bedeutet – den fast sicheren Absturz in die Armut – und er neigt zur strengeren Auslegung des Gesetzes, die Frauen nicht einfach so, für nichts und wieder nichts, in die Armut schickt. In diesem Fall wählt er also den „unbarmherzigen“ Schammai, der in dieser Frage überraschenderweise barmherziger ist als sein Kollege.
  • Es geht nicht um Parteien, es geht um Erbarmen.

4/ Das Abkürzungsspiel

  • Einmal kam ein Heide zuerst zu Schammai und dann zu Hillel mit der Aufforderung, ihm die ganze Tora beizubringen, während er auf einem Bein steht. Schammai, bekannt für seine Strenge, wies ihn ab. Hillel dagegen, berühmt für seine Geduld und Freundlichkeit, nahm die Herausforderung an und antwortete mit dem berühmten Satz: „Was du selbst nicht magst, das tu keinem anderen an. Das ist die ganze Tora; der Rest ist Auslegung – geh und lerne.“
  • Jesus hat sich auf dieses Abkürzungsspiel auch eingelassen. Matthäus 7,12: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten.“ Dasselbe – nur positiv formuliert und aktiv. Es geht nicht um Verbote, sondern um den Aufruf zu dem, was wir aktiv tun sollen.
  • Eine spätere Zusammenfassung klingt ein bisschen anders (Mt 22,37–40): Er begann mit dem Schma-Gebet – liebe den Herrn, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele, deiner ganzen Kraft (nur sagt er statt Kraft: Verstand) – und fährt dann fort: Liebe deinen Nächsten. In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.
  • Das Gesetz und die Propheten beruhen hier also auf der Liebe – davon handelt das ganze Gesetz samt den Propheten. Die Psalmen auch. Von der Beziehung zwischen Gott und Mensch und der Menschen untereinander.
  • Und wir neigen dazu zu sagen: Na ja, aber der Neue Bund handelt im Unterschied zum alten von Gnade. Nein. Der alte Bund rechnet die ganze Zeit mit Übertretungen – die Opfer sind eine Bitte an Gott, und auch das Fest Jom Kippur erinnert alle daran, dass Gott gnädig ist und ihnen deshalb vergibt. Auch der alte Bund handelt von Gnade. Mag sein, dass irgendein Pharisäer das nicht verstanden hat, aber darum ging es immer – nicht um starre Handlungen ohne Herz. Liebe und Gnade.
  • Werfen wir das Alte Testament nicht weg wie etwas Veraltetes – aus ihm geht das Neue Testament hervor. Das Neue Testament ist gewissermaßen das eine letzte Kapitel eines Buches, in dem alles seinen Höhepunkt findet – aber es ist keine gute Idee, ein Buch zu nehmen und nur das letzte Kapitel zu lesen. Die große Geschichte entgeht einem dann.

5/ Schauspielerei

  • Normalerweise verstehen wir unter Heuchelei jemanden, der Wasser predigt und Wein trinkt — der selbst nicht tut, was er anderen predigt. Aber das Wort hypocritos, das in der Schrift verwendet wird, bedeutet etwas anderes — es kommt von einem griechischen Wort, das Schauspieler heißt.
  • Und genau das warf Jesus ihnen vor — sie spielten in der Öffentlichkeit ständig Theater: wenn sie fasteten, machten sie unglaublich zerknirschte Gesichter (seht, wie ich leide, was für ein Held ich bin); sie beteten in der Öffentlichkeit, damit es alle sahen; sie gingen gebeugt umher, um zu zeigen, wie demütig sie sind — das gehörte zur Rolle.
  • Sie hatten sogar Kostüme wie Schauspieler: „Sie lassen sich besonders breite Gebetsriemen machen und besonders große Quasten an ihren Kleidern …“
  • Zur Heldenrolle gehörte auch, bestimmte Vorteile zu genießen: „sie sitzen gern obenan bei Tisch und in den vordersten Reihen in den Synagogen, sie lassen sich gern auf den Straßen grüßen und ‚Rabbi‘ nennen“.
  • Zur Berufung der Pharisäer gehörte es, sich Jünger zu suchen — und das waren am Anfang die Eifrigen, die ebenfalls fromm leben wollten. Nur brachten ihnen die Pharisäer all diese schauspielerischen Leistungen bei und erstickten damit in ihnen die eigentliche innere Frömmigkeit und die Liebe zu Gott.
  • Spielen wir nichts — es geht um das Kämmerlein. Es geht um das, was zwischen uns und Gott im Verborgenen geschieht.

6/ Die Anfrage von Johannes dem Täufer

  • Johannes der Täufer schickte seine Jünger zu Christus, damit sie ihn öffentlich fragten: „Bist du also der, auf den wir warten? Bist du der Retter, den alle Propheten angekündigt haben?“ Und Jesus zählte daraufhin vor allen die Zeichen auf, die den Messias begleiten, und sagte, dass er sie alle erfüllt. Die Umstehenden mussten sich sagen: Also stimmt es — endlich hat jemand offen ausgesprochen, was allen im Kopf herumschwirrte.
  • Genau denselben Dienst erwiesen die Pharisäer Jesus, als sie sagten: „Wer kann Sünden vergeben außer Gott allein?“ Und alle dachten sich: Na also — wer sonst steht hier vor mir als Gott selbst! Für die Zuhörer, die schon ins Wanken geraten waren, war es großartig, dass diese Bemerkung fiel — mit dieser Frage im Kopf gingen sie nach Hause. Sie hatten eine Heilung gesehen, die bestätigte, wer er war.

Warum Jesus so streng ist

Warum bekamen diese Helden so viel Kritik von Jesus ab?

  • Erstens, weil sie es verdient hatten 🙂 Sie brauchten jemanden, der sie aufrüttelte. Sie waren ja die, die die anderen lehrten. Und Jakobus warnt: Wollt nicht alle Lehrer sein — ihr wisst ja, dass wir strenger gerichtet werden.
  • Lehrer sollten ihre eigenen Regeln nicht auf eine Stufe mit Gottes Geboten stellen. Und sie sollten verstehen, dass es bei all dem um Herzensdinge geht und nicht um das mechanische Abarbeiten vorgeschriebener Taten.
  • Als Lehrer hatten sie Einfluss auf viele Menschen — und genau deshalb war es nötig, dass Jesus sich ihnen so intensiv widmete. Damit die, die das Volk führen, nicht blind sind. Jesus arbeitet mit ihnen — ähnlich wie mit den Jüngern — er diskutiert mit ihnen, er lehrt sie.
  • Jesus war zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. In erster Linie zu den Allerletzten der ganzen Gesellschaft — den Verwundeten, den Armen, den Geplagten, den Müden. Aber auch die Pharisäer waren verlorene Schafe, und Jesus versuchte, diese sturen Widder in die richtige Richtung zu lenken. Dafür musste er etwas stärkere Worte gebrauchen als bei anderen, denn sie wussten nicht einmal, dass sie sich verirrt hatten.
  • Eigentlich finde ich es viel erschreckender, dass Jesus sich den Sadduzäern nicht widmet, die viel, viel schlechter dran waren. Und es ging wohl auch kaum. Mit den Pharisäern hat Jesus oft diskutiert und sie oft verärgert — aber als er den Sadduzäern in die Quere kam, hing er innerhalb von 14 Tagen am Kreuz.
  • Das Aufrütteln sollte dazu führen, dass sie eines Tages die entscheidenden Lektionen annehmen können — die, über die Jesus mit Nikodemus sprach: dass Jesus sterben und erhöht werden muss wie damals die Schlange des Mose in der Wüste, damit die Menschen gerettet werden — damit das Übernatürliche geschieht: dass ein Mensch neu geboren wird.

Jesus rüttelt die Pharisäer (uns) auf · 2025 · lose Fortsetzung des Talks Die Pharisäer – die Lehrer