Gebet: Spiel mit den Minuten

Frank C. Laubach (1884–1970)

Frank C. Laubach Letters by a Modern Mystic Buch

„Betet ohne Unterlass.“ 1 Thess 5,17 · der Vers, auf den Laubach das Spiel mit den Minuten gründet (The Game with Minutes)

Regeln

Das Ziel ist nicht Leistung, sondern Aufmerksamkeit: in jeder Stunde in möglichst vielen Minuten — und sei es nur für ein, zwei Sekunden — an Gott denken. Wer nicht jede Minute schafft, spielt wenigstens bei jedem Wechsel der Tätigkeit.

Geflüsterte Sätze

„Herr, hier bin ich.“ · „Siehst du das mit mir?“ · „Was jetzt?“ Ein kurzer Satz in Gedanken genügt; niemand ringsum merkt etwas. Das genaue Gegenteil vom Herunterleiern von Gebeten ohne Aufmerksamkeit.

Spielstand am Abend

Wie viele Minuten der Stunde gehörten Gott? Eine Niederlage wird dir nicht vorgeworfen — es ist ein Spiel, keine Prüfung. Morgen wird wieder gespielt.

  • Broschüre The Game with Minutes
  • das Experiment begann 1930 auf Mindanao
  • Briefe: Letters by a Modern Mystic
Interaktiv

„Mit jedem Tag wächst in mir das Gefühl, als würde mich eine unsichtbare Hand halten und führen, während eine andere unsichtbare Hand nach vorn ausgestreckt ist und den Weg bereitet.“

„Dieses Gefühl der Zusammenarbeit mit Gott in den kleinen Dingen erstaunt mich so sehr, weil ich es noch nie zuvor so empfunden habe. Ich brauche etwas, drehe mich um und stelle fest, dass es schon fertig auf mich wartet.“

Frank C. Laubach, Letters by a Modern Mystic

Wann spielen

Laubach geht in seiner Broschüre die gewöhnlichen Situationen des Tages durch — das Spiel kennt kein „Aus“. Die zwölf Momente auf dem Zifferblatt sind ein ganz gewöhnlicher Tag, vom Aufwachen bis zum Einschlafen.

Aufwachen — der erste Gedanke des Tages: „Herr, hier bin ich.“ Noch vor dem Aufstehen.
Gehen — der Rhythmus der Schritte als stilles Gespräch; Gott wahrnehmen, der nebenher geht.
Gespräch — den anderen ansehen und im Stillen bitten, dass Gott durch mich spricht.
Am Tisch — Dankbarkeit nicht nur am Anfang: Gott als unsichtbarer Gast beim Essen.
Arbeit und Lernen — es nicht „für Gott“, sondern „mit Gott“ tun: stille Zusammenarbeit an der Aufgabe.
Lesen — „zu zweit“ lesen: nach jedem Absatz fragen, was Gott mir damit sagt.
Nachdenken und Planen — laut in Richtung Gott denken; aus Planen wird Gebet.
In der Menge — Blitzgebete für die Menschen ringsum: für die Rücken vor dir, für die Gesichter im Bus.
Spiel und Erholung — spielen und ausruhen mit Dankbarkeit; auch die Freizeit zählt.
Gottesdienst — während der Predigt für den Prediger und für die Leute in den Bänken beten.
Schwierigkeiten — Schmerz und Sorgen vor Gott hinhalten: „Siehst du das mit mir?“
Einschlafen — im Gespräch einschlafen; der Spielstand am Abend ohne Vorwürfe, morgen ein neues Spiel.

„Ich erfülle meine Aufgabe in einem Plan, der weit über mich hinausgeht. … Natürlich muss ich arbeiten, aber Gott arbeitet mit mir. Das Bewusstsein davon gibt mir ein Gefühl von Sicherheit und Zuversicht für die Zukunft, was für mich ebenfalls neu ist.“

Frank C. Laubach (Letters by a Modern Mystic)

„Es scheint, dass ich mich jetzt nur um eine einzige Sache kümmern muss und alles andere ‚sorgt für sich selbst‘ — oder besser gesagt, und das ist wahrer: Gott sorgt für alles andere. Meine Aufgabe ist es, diese Stunde in ständigem innerem Gespräch mit Gott und in vollkommener Bereitschaft für seinen Willen zu leben. Diese Stunde mit Gottes Herrlichkeit zu füllen.“

Frank C. Laubach (Letters by a Modern Mystic)

Wer war Frank Laubach (1884–1970)

„Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.“ Gal 2,20 · laut Laubach „die erstaunlichste Entdeckung von allen“ (The Game with Minutes)

60 000 000

Menschen lernten dank seiner Methode „Each One Teach One“ lesen und schreiben — die Alphabetisierung verbreitete sich von selbst weiter

1930

Mindanao, Philippinen: Unter analphabetischen Muslimen beginnt sein Experiment, die Aufmerksamkeit ständig auf Gott zu richten

1

eine amerikanische Briefmarke trägt sein Gesicht — eine Ehre, die Missionaren sonst kaum zuteilwird

Ein Missionar in einer abgelegenen Gegend der Philippinen wusste, dass die Imame keinen Grund hatten, ihm die Tür zu öffnen. Also beschloss er, sich Gott zu nähern und sich so im Reich Gottes einzurichten, dass sein Glaube für seine Umgebung unwiderstehlich würde — und am Ende schickten die Imame selbst die Leute zu ihm, die mehr über Gott erfahren wollten. Bei all der schweren und gefährlichen Arbeit war er ein moderner Mystiker: Seine Texte sind winzig kurz, atemberaubend und treffen die Wirklichkeit des Lebens im Reich Gottes hervorragend. Sein wichtigstes Werkzeug, um sich dem Reich Gottes zu nähern, war das Spiel mit den Minuten — er übte, jede einzelne Minute seine Aufmerksamkeit auf Gott zu richten, und in seinen Briefen enthüllt er, was dieses Experiment bewirkt hat.

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