Gute Nachricht, zwei Erwartungen und ein Reich, das zum Greifen nah ist.
„Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15)
Das Evangelium ist kein guter Rat, sondern eine gute Nachricht. Ein Bote kommt vom Schlachtfeld gelaufen und ruft: „Dein Gott ist König!“ (Jes 52,7) Auf eine Nachricht wartet man nicht — eine Nachricht wird ausgerufen, und die Welt ist nicht mehr dieselbe.
Was sie verkündet
In Jesus tritt Gott seine Herrschaft an — hier und jetzt, nicht erst nach dem Tod. Der Himmel ist kein Notausgang von der Erde; das Reich Gottes ist der Himmel, der hierher umzieht.
Wenn ein König ein neues Gebiet gewinnt, gehört es ihm auf dem Papier sofort; es dauert aber eine Weile, bis er dort seine Herrschaft tatsächlich aufrichtet. Diese gute Nachricht rief Johannes der Täufer aus, dann Jesus, dann die Jünger — und jetzt wir.
„Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“ Mt 6,10 · Vaterunser
„Dein Reich komme. Das heißt: Deine Herrschaft möge sich hier verwirklichen, wie sie dort verwirklicht ist. Das Wort dort verstehe ich gewöhnlich auf drei Ebenen:
1) wie in der sündlosen Welt ohne die Schrecken im Leben der Tiere und Menschen; im Verhalten der Sterne, Bäume und des Wassers, im Sonnenaufgang und im Wind. Möge auch hier (in meinem Herzen) der Anfang einer solchen Schönheit sein.
2) wie im Leben der besten Menschen, die ich kenne; in denen, die ihre Lasten wirklich tragen und aufrichtig wirken, und im stillen, fleißigen, geordneten Leben guter Familien und wirklich guter Klöster. Möge auch das hier sein.
3) und auch im üblichen Sinn: wie im Himmel, unter unseren seligen Verstorbenen.
Das Wort hier lässt sich freilich nicht nur als „in meinem Herzen“ verstehen, sondern auch als in diesem College — in England — und in der Welt überhaupt.“
C. S. Lewis: Du fragst mich, wie ich bete — Briefe an Malcolm, S. 29
Die Juden zur Zeit Jesu erwarteten das Ende dieses Zeitalters auf zweierlei Weise. Johannes der Täufer wartete auf den Umbruch; Jesus verkündete das allmähliche Durchwachsen — und darauf ruht die ganze gute Nachricht.
Die erste Vorstellung: Mit dem Kommen des Messias endet dieses Zeitalter auf einen Schlag — eine dramatische Verwandlung von allem. Das Reich dieser Welt endet, das Reich Gottes beginnt.
Vielleicht hat genau das Johannes der Täufer erwartet, als er aus dem Gefängnis fragte: „Bist du wirklich der, der da kommen soll?“ (Mt 11,3) Er wartete auf den radikalen Umbruch — und der kam nicht.
Die zweite Vorstellung ist allmählich — und ihr neigt Jesus zu: Das Reich Gottes ist wie ein Senfkorn, das kleinste von allen, das zu einem Baum heranwächst; wie ein Sauerteig, der still den ganzen Teig durchsäuert. (Mt 13,31–33)
Seit dem Kommen des Messias überlappen sich die beiden Zeitalter. Wir leben in der Zeit des „schon jetzt — noch nicht“: Das Reich ist schon da, und es ist noch nicht überall. Die gute Nachricht lautet: Es hat schon begonnen!
Dallas Willard: Auch du hast ein Reich — es ist die Reichweite deines wirksamen Willens. Überall dort, wo geschieht, was du willst (deine Zeit, deine Worte, dein Schreibtisch), ist dein kleines Reich.
Erlösung ist dann nicht bloß eine Eintrittskarte für später. Sie ist eine Einladung, dein kleines Reich in das Reich Gottes hineinzulegen — von Jesus zu lernen, dein eigenes so zu regieren, wie er regiert.
Das ewige Leben beginnt nicht nach dem Tod. Es beginnt jetzt.
Dallas Willard: The Divine Conspiracy
„Von den Tagen Johannes des Täufers bis heute leidet das Himmelreich Gewalt, und die Gewalt tun, reißen es an sich.“
Mt 11,12
Wer sind diese „Gewalttätigen“? Zöllner, Huren und Ausgestoßene, die im Laufen die Tore des Reiches aufsprengen — während die Schriftgelehrten vor dem Tor stehen und den Weg versperren. Der Gelähmte bricht durch das Dach, die blutflüssige Frau drängt sich durch die Menge. Ein Herz voller Umkehr und Sehnsucht nach Christus wiegt alles Wissen auf.
„Bei manchen Menschen, die sie hören, passiert aber etwas! Die Botschaft, die königliche Bekanntmachung, tut ihnen gut wie ein heißes Getränk an einem kalten Tag… Sie erfrischt sie. Sie gibt ihnen Energie. … Es ist so ähnlich, wie wenn ein Mensch, der von Geburt an völlig taub war, nach einer erfolgreichen Operation plötzlich den Anfang einer Mozart-Sinfonie hört. Auf einmal öffnet sich ihm eine ganz neue Welt, die er sich vorher nie hätte vorstellen können.“
N. T. Wright: Simply Good News, S. 28–37
„Die Hauptaufgabe der Kirche ist nicht die Evangelisation, sondern der Ort zu sein, an dem Gott auf der Erde wohnt. … Viele Menschen werden angezogen werden – ohne besondere Strategie, einfach durch die Gesundheit der Leute.“
Dallas Willard: Rethinking Evangelism
Tim Mackie ergänzt: Das Evangelium Jesu ist keine Eintrittskarte in den Himmel nach dem Tod — es ist die Ankündigung, dass Gottes Herrschaft begonnen hat, und die Einladung, schon jetzt in ihr zu leben. Der König regiert dabei vom Kreuz aus: ein Reich, das auf dem Kopf steht.
BibleProject: Gospel of the Kingdom
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